20. Februar 2026

Mittagstisch mit Martina Wild

Wirtschaftsjunioren im Austausch mit Bürgermeisterin Martina Wild: Bildung und Fachkräftemangel im Fokus

Auf Einladung der Wirtschaftsjunioren kam es kürzlich zu einem intensiven Austausch mit Bürgermeisterin Martina Wild. In vertraulicher Runde diskutierten Unternehmerinnen und Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen gemeinsam mit der Bildungsbürgermeisterin über eines der drängendsten Themen der Region: Bildungsgerechtigkeit und Fachkräftemangel.

Die Teilnehmenden spiegelten die Vielfalt der regionalen Wirtschaft wider. Vertreten waren unter anderem eine promovierte Chemikerin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit im Mittelstand, mehrere Akteure aus der Software- und Digitalisierungsbranche, ein Experte an der Schnittstelle von Sozialbereich und IT sowie ein Vertreter eines familiengeführten Produktionsunternehmens für Werkzeuge und Messtechnik.

Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, warum trotz zahlreicher Ausbildungsplätze viele junge Menschen keinen direkten Zugang in eine duale Ausbildung finden. Wild schilderte, dass das Bildungssystem zwar formal durchlässig sei, in der Praxis jedoch viele Jugendliche in Berufsvorbereitungs- und Integrationsklassen verbleiben. Der Übergang in Ausbildung gelinge häufig nicht.

Die Stadt versuche, ungleiche Startbedingungen frühzeitig abzufedern – etwa durch Frühstücksangebote in Kitas, Programme zur Berufsorientierung, Projekte zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen sowie Unterstützungsangebote für gesellschaftliche Teilhabe. Dennoch stoßen Schulen, Kitas und soziale Einrichtungen zunehmend an Belastungsgrenzen. Die Pandemie habe bestehende Herausforderungen zusätzlich verschärft.

Auch strukturelle Fragen wurden diskutiert. Vertreter der Wirtschaft berichteten von einem deutlichen „Mismatch“ zwischen offenen Ausbildungsstellen und Erwartungen vieler Jugendlicher. Gleichzeitig erschwerten komplexe Anerkennungsverfahren die Integration qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Lösung nur im Zusammenspiel aller Akteure liegen könne. Neben staatlichen Maßnahmen brauche es verstärktes Engagement von Unternehmen, etwa durch praxisnahe Berufsorientierung, Kooperationen mit Schulen oder ehrenamtliche Initiativen.

Der Austausch machte deutlich: Fachkräftesicherung beginnt weit vor der Stellenanzeige – sie ist eng verknüpft mit Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung.

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