Ein spannender und zugleich sehr offener Mittagstisch bei den Wirtschaftsjunioren Augsburg: Zu Gast war Dr. Florian Freund, OB-Kandidat der SPD für die Stadt Augsburg. Die Moderation übernahm Frederik Rau, der mit einer kurzen Einleitung den Rahmen der Veranstaltung absteckte und für eine vertrauensvolle Atmosphäre sorgte. Genau diese Offenheit machte den Austausch besonders wertvoll.
Dr. Freund stellte sich zunächst mit seiner Vita vor und ging anschließend direkt auf die Frage ein, welche Themen er als Oberbürgermeister als erstes anpacken würde. Seine drei Prioritäten: ein verlässlicher 5-Minuten-Takt bei den Straßenbahnen, die Umsetzung des bereits fertig geplanten Projekts Fuggerpromenade als sichtbares Zeichen für städtische Umsetzungskraft sowie die Sanierung von Schultoiletten – ein Thema, das ihm auch persönlich am Herzen liegt. Besonders eindrücklich: Er hat selbst bereits gemeinsam mit regionalen Bauunternehmen an der Schule seiner Töchter eine Toilettenanlage saniert.
Ein zentraler Diskussionspunkt war die regionale Auftragsvergabe. Frederik Rau brachte die Frage nach einer möglichen Bevorzugung regionaler Anbieter ein. Sein Gedanke: Wenn lokale Unternehmen auf den Bauschildern sichtbar werden, könnte das auch ein Signal für Fachkräfte (zukünftige Azubis) sein – und den ein oder anderen motivieren, sich genau dort zu bewerben. Dr. Freund fand den Ansatz spannend und betonte, wie wichtig ein eigenes Vergaberecht für Augsburg wäre, um Ausschreibungen zielgerichteter und weniger bürokratisch zu gestalten.
Sehr deutlich wurde auch die Kritik an den aktuellen Verwaltungsprozessen: Bauanträge und Genehmigungen dauern aus Sicht vieler Unternehmer deutlich zu lange. Dr. Freund sprach hier von fehlender Entscheidungsfreude und zu vielen Abstimmungsrunden. Sein Ansatz: weniger Perfektionismus, mehr Klarheit und pragmatisches Handeln – „sich wieder ins Gelingen verlieben“.
Beim Thema Freilichtbühne und dem diskutierten Standort Gaswerk wurde ebenfalls klar, wie eng Kultur, Innenstadtleben und lokale Wirtschaft zusammenhängen. Dr. Freund erklärte, dass die Freilichtbühne rund 30 % des Umsatzes im gesamten Theaterbereich der Stadt ausmacht. Eine Verlagerung hätte daher nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Folgen für die Innenstadt.
Abschließend wurde auch über strukturelle Herausforderungen gesprochen: Augsburg ist nicht arm – aber die Einkommen liegen unter dem bayerischen Durchschnitt. Der Verlust von Industrie, steigende Mieten und der Bedarf an neuen wirtschaftlichen Perspektiven wurden als zentrale Aufgaben benannt.
Vielen Dank für den offenen Austausch – genau solche Gespräche zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik sind entscheidend, wenn Augsburg seine Zukunft aktiv gestalten will.



